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„A Rose In Winter“: Mandl initiierte Filmvorführung im Europa-Parlament

Filmbiografie über das Leben und den Tod von Edith Stein: Widerständlerin, Feministin, Nonne und Opfer des Holocaust

Vor mehr als 190 Gästen feierte der Film „A Rose In Winter“ im größten Ausschuss-Saal des Europa-Parlaments seine EU-Premiere. Unter den Gästen befanden sich unter anderem der Vizepräsident des Parlaments, Rainer Wieland (CDU), Israels EU-Botschafter Aharon Leshno-Yaar, Eveline Scholiers-Haberfeld (Vorstandsmitglied Synagoge Brüssel) sowie der eigens aus Kärnten angereiste Administrator des Stiftes St. Paul im Lavanttal, P. Maximilian Krenn.

©Theodore Markovic

Regisseur Joshua Sinclair, Hauptdarstellerin Zana Marjanovic, Lukas Mandl, Schauspielerin Anja Kruse

Der Initiator des Abends, Europa-Abgeordneter Lukas Mandl (Österreich), erwähnte in seinen Begrüßungsworten die „europäischen Werte, von denen oft die Rede ist. Ich verstehe diese Werte auf der Basis des jüdisch-christlichen Erbes, ohne das auch die Aufklärung nicht denkbar wäre. Auf diesen Säulen stehen die Ideale der Menschenwürde und der Freiheit, die es täglich zu verteidigen gilt.“

Die Frau, von der die Produktion „A Rose In Winter“ handelt, Edith Stein, sei eine Verbinderin zwischen der jüdischen und der christlichen Religion, die ihr Zeugnis in Zeiten des „größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte“, als das Mandl „den Holocaust, die Shoa“ beim Namen nannte, abgelegt habe. Auch betonte Mandl, es sei wichtig, dass der Film „nicht nur das Leben einer gläubigen Frau nachzeichnet, sondern auch die Versäumnisse und Fehler von Vertretern der katholischen Kirche in der Zeit der Gräueltaten des nationalsozialistischen Unrechtsstaats deutlich aufzeigt“.

Regisseur Joshua Sinclair sprach in der Podiumsdiskussion nach dem Film offen darüber, dass sein Großvater in Auschwitz interniert gewesen war, und betonte, dass es in diesem Vernichtungslager der Nationalsozialisten „sechs Millionen Märtyrer“ gegeben hat, die wir „als Heilige ansehen sollten“. Es ist kein religiöser Film, sondern einer, der das Leben einer Frau zeigt, die mit der Kraft der Liebe und ihres tiefen Gottvertrauens außerordentliche Dinge vollbrachte.

Der mehrfach ausgezeichnete Regisseur verlieh seiner Überzeugung deutlich Ausdruck, indem er erklärte, dass in unseren Gesellschaften „die Büchse der Pandora aus Hass“ nicht geöffnet werden dürfe: „Wir sind die Medien. Wenn wir uns nicht der Wahrheit verpflichtet fühlen, wird sich die Lüge durchsetzen!“ Das gelte besonders gegenüber jungen Menschen, die, so Sinclair, „uns dafür zur Verantwortung ziehen werden, welche Welt wir ihnen hinterlassen“.

©Theodore Markovic

Co-Hosts waren die Europa-Abgeordnete Gesine Meissner (Deutschland) und Péter Niedermüller (Ungarn). „Edith Stein war eine couragierte Frau. Sie kämpfte für Frauenrechte, für das Recht auf individuelle Entwicklung für jeden Menschen, unabhängig von Herkunft und Geschlecht“, zollte die Liberale Meissner Respekt. „Sie blieb im Herzen Jüdin, auch als katholische Nonne. Ihr leider vergeblicher Versuch, den Holocaust durch Intervention beim Papst als gläubige Katholikin sozusagen von innen heraus zu beenden, verdient höchsten Respekt. Dieser Film sollte weite Verbreitung finden.“

Der Sozialdemokrat Niedermüller, der die Lebensgeschichte Edith Steins als „außergewöhnlich“ bezeichnete, betonte ebenfalls die große historische Dimension von „A Rose In Winter“: „Filme wie dieser helfen uns, unsere Geschichte besser zu verstehen. Sie sind so ein Teil des Europäischen Gedächtnisses, vor allem im Lichte des heute wieder ansteigenden Antisemitismus und Populismus.“

Diesen Aspekt betonte die Schauspielerin Anja Kruse, die im Film die Rolle von Edith Steins Schwester Erna übernommen hat, in der auf die Vorführung folgende Fragestunde und äußerte ihrerseits ebenfalls Sorge. Hauptdarstellerin Zana Marjanovic betonte, sie mache sich „wirklich Sorgen um diese Welt“. Die Schauspielerin, die in ihrem Heimatstaat Bosnien und Herzegowina mit Jugendlichen an Versöhnung arbeitet, bezeichnete „Kunst“ als „Schlüssel zum Verständnis“.

Die österreichische Europa-Abgeordnete Karin Kadenbach, die der Filmvorführung und der Diskussion als Teilnehmerin beiwohnte, erklärte, der Film „berührt die Seele“.

© 2018 EU-EP/DB

 Parlaments-Vizepräsident Rainer Wieland, Schauspielerin Anja Kruse, Regisseur Joshua Sinclair, Lukas Mandl

Lukas Mandl betonte, dass die große Mehrheit des Europa-Parlaments sich gegen Antisemitismus stelle. So sei eine klare Definition von Antisemitismus beschlossen worden, die dessen Bekämpfung verbessere, wie der österreichische Europa-Abgeordnete betonte, der erst vor wenigen Wochen die Arbeit gegen Antisemitismus als Anforderung an die Bürgerbeauftragten in den Mitgliedsstaaten in den Bericht zu den Aktivitäten der EU-Ombudsfrau reklamiert hatte.

Im Bezug auf die Ausführungen von Marjanovic erklärte Mandl, dass auch die Position, dass die EU zu „Verständigung und einem zukünftig guten Miteinander von Ethnien, Nationalitäten und Religionen in Südosteuropa im allseitigen Interesse beitragen“ müsse, von ganz vielen aktiv geteilt werde. Mandl selbst ist dazu in der Kosovo-Bosnien Delegation des Europa-Parlaments aktiv.

 

Der österreichische Filmemacher und Medienkünstler Dieter-Michael Grohmann hat einige Eindrücke des Abends filmisch festgehalten:

 

10. Januar 2019 News

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