Innsbruck: Generationengespräch zu „goldenen Generationen“
- 22. März
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„Die politische Mitte muss Grundsatzfragen wie Verteidigung und Rechtsstaatlichkeit außer Streit stellen“, sagte Herwig van Staa im Generationengespräch, zu dem der österreichische Europaabgeordnete Lukas Mandl eingeladen hatte. Mandl thematisiert in seinem neuen Buch aktuelle Herausforderungen.
„Generationengespräche“ nennt der österreichische Europaabgeordnete Lukas Mandl eine von ihm initiierte Gesprächsreihe, in der „alle Generationen ins Gespräch kommen über Österreichs Rolle in Europa und Europas Zukunft“. In Innsbruck sprachen auf mit Mandl der neue Präsident der Jungen Industrie, Eduard Fröschl und der ehemalige Landeshauptmann Herwig van Staa unter der Moderation von Christina Mair, Pädagogin.
Die aktuelle Reihe an Generationengesprächen findet im Vorfeld der Veröffentlichung von Mandls neuem Buch statt. Es erscheint in der Edition Fazit unter dem Titel „Was Dir zusteht“ mit dem Untertitel „Die Früchte der Freiheit“.
„Goldene Generationen“ in der Politik
Der Parlamentarier erörtert in dem Buch die beiden „goldenen Generationen“ der heimischen Politik, wie er schreibt, nämlich „jene vor 1955, die Staatsvertrag und Unabhängigkeit möglich gemacht hat“, und „jene vor 1995, die Österreichs europäischer Integration den Weg geebnet hat“. Herwig van Staa gehöre dieser Generation an. Zwischen diesen „goldenen Generationen“ sei jeweils ein Zwei-Generationen-Sprung von vier Jahrzehnten gewesen, so Mandl, der fragt, welche nach den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten „die großen zu bewältigenden Herausforderungen der aktuellen und kommenden Generation in der Politik sind“. In diesem Sinne reflektiert Mandl Themen der Geopolitik der Sicherheit, der Wirtschaft und der Regionen Europas.
Zusammenarbeit mit Tirols Sophia Kircher
Mandl als heute längstdienender österreichischer EVP-Europaabgeordneter betonte einleitend – und ganz im Sinne des generationenübergreifenden Zugangs – „die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Tiroler Europaabgeordneten Sophia Kircher“. Die Einleitungsworte zum Innsbrucker Generationengespräch hielt Matthias Hofer, Vorsitzender der bundesweiten Fachgruppe der AHS-Lehrer.
Matthias Hofer für das Friedensprojekt anstelle überbordender Bürokratie
Hofer war im niederösterreichischen Hohenau an der March aufgewachsen. Die March war der Grenzfluss, an dem der Eiserne Vorhang stand. Hofer ging auf die Geschichte des geteilten Europa ein und wies auf die Vorteile des vereinten Europa hin. Er betonte auch, wie wichtig es sei, dass konstruktive politische Kräfte das vereinte Europa hochhalten und verteidigen würden. Hofer sagte auch klar: „Die Bürokratie muss sinken, im Sinne des Friedensprojekts Europa.“
Herwig van Staat für das Nützen von Chancen
Herwig van Staa nannte historische Beispiele dafür, dass „Österreich kaum eine Chance versäumt“, wenn es darum gehe, durch die europäische Zusammenarbeit selbst zu wachsen. Van Staa nannte etwa die Fortschritte in der europäischen Integration des Balkan, die für Österreich wertvoll seien, und die Chancen durch den Binnenmarkt.
Eduard Fröschl für einen starken Binnenmarkt
Auf den Binnenmarkt ging auch Fröschl ein und sagte deutlich: „Das Wirtschaftssystem würde nicht funktionieren, hätten wir nicht den Binnenmarkt.“ Alle Mitgliedsstaaten sollten „gleichwertig teilnehmen dürfen“, so Fröschl. Der junge Unternehmer und Industrievertreter kritisierte scharf, dass „in Österreich vielfach Brüssel die Schuld gegeben wird, während die Ursache für Probleme aber daheim liegen“.
Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung entwickelte sich im Generationengespräch ein Fokus auf den Wert der Arbeit. Fröschl nannte konkrete Zahlen im Vergleich zu Schweden, wo anders als in Österreich mehr als zwei Drittel bis zum Alter von 65 arbeiten und fast ein Drittel bis 70. „Arbeit gehört zum Leben und kann auch sinnstiftend sein“, betonte Mandl, der auch aus der parlamentarischen Arbeit erzählte, wie in anderen Teilen der Welt die Neigung, von Arbeit Abstand zu halten, „als eine der Schwächen Europas gesehen wird, und diese Schwäche wird beinhart ausgenützt.“ – Der demografische Wandel in ganz Europa war im Innsbrucker Generationengespräch ein allgegenwärtiger Hintergrund der Überlegungen.
Lukas Mandl für Verantwortung und Leadership
Eine Teilnehmerin im Publikum kritisierte deutlich: „Das Interesse an der europäischen Ebene ist nicht da. Vielleicht geht es uns zu gut!“ – Moderatorin Christina Mair fragte danach, wie Erfolge besser kommuniziert werden könnten, und wir die Ansprechpartner seien, wenn Bürgerinnen und Bürger Kritikpunkte an Entscheidungen auf europäischer Ebene hätten.
Mandl betonte, dass österreichische Europaabgeordnete nicht primär die europäische Ebene in Österreich vertreten würden, sondern „primär ist die Aufgabe, die österreichischen Landsleute auf der europäischen Ebene zu vertreten“. Daher seien sie auch die Ansprechstellen. Mandl plädierte auch für Zuversicht und „gegenseitiges Vertrauen in unserer Gesellschaft“. Der Vertrauensverlust sei „eines der größten Probleme unserer Zeit, nicht nur für die europäische Ebene“.
Van Staa ging anhand des Beispiels der Entwicklung des aktuellen ungarischen Ministerpräsidenten Orban, der vor Jahrzehnten ein Reformer und Christdemokrat gewesen war, auf die Gefahren des Populismus ein. „Populismus ist einfach“, so Mandl. Es sei „nicht schwierig“, populistische Politik zu machen, aber es sei „verantwortungslos“. Es gelte, dass „konstruktive Kräfte dieser Versuchung widerstehen“. Diese Verantwortung – worin das Wort „antworten“ stecke – sei auch der erste Schritt in Richtung einer angemessenen Kommunikation der Vorteile „der Einigkeit der EU in Freiheit und Frieden“.
Grundfesten außer Diskussion stellen und miteinander reden
In unterschiedlichen Gesprächsphasen forderten sowohl Herwig van Staa als auch Lukas Mandl diese Art von Verantwortung ein, „und Leadership“, wie Mandl betonte. „Man darf nicht hinterherlaufen wie der Populismus und auch nicht euphorisch Phantastereien verbreiten. Eine klare Vision zu haben, über diese ins Gespräch zu kommen und auf eine gute Zukunft hinzuarbeiten“, das mache Leadership aus.
Ein Beispiel für solches Leadership nannte Eduard Fröschl, indem er daran erinnerte, dass die Junge Industrie unter den ersten Organisationen gewesen sei, die sich für die europäische Integration Österreichs eingesetzt hatten. Für Gegenwart und Zukunft betonte Fröschl, sei es wichtig, die europäische Ebene stärker ins Gespräch zu bringen, weil die europäische Ebene wichtig sei. Mandl gelinge das unter anderem durch die Generationengespräche, so Fröschl.
Van Staa plädierte deutlich dafür, dass Kräfte unterschiedlicher politischer Zuordnung „immer miteinander im Gespräch bleiben“. Gleichzeitig verlangte er, dass „in der politischen Mitte Grundsatzfragen außer Diskussion stehen, wie etwa Verteidigung, Rechtstaatlichkeit und Demokratie“. Im Europäischen Parlament schließe man Kompromisse, „damit es nicht zu massiven Konfrontationen kommt“, so Herwig van Staa.
Jakob Grüner für mitgliedsstaatliche Verantwortung und Familienpolitik
Die Schlussworte der Veranstaltung hielt der Nationalratsabgeordnete Jakob Grüner. Er bekannte bei allen komplexen Problemen: „Ich bin ein Optimist!“ Grüner thematisierte kritisch das, was man „Gold Plating“ nennt - also die Neigung, europäische Regelungen im Mitgliedsstaat noch schärfer zu regeln. Und Grüner brachte die „wichtige Dimension der Familienpolitik“ ein und brachte in diesem Sinne seine Wertschätzung für die Möglichkeit zum Generationengespräch auch auf Innsbrucker Boden zum Ausdruck.
Fotos: Fettinger.

















